Die Glocke: Frieden keine Selbstverständlichkeit
artikelbild_Die_Glocke_80x100

Warendorf (afri) – Verschiedene Ansatzpunkte haben Bürgermeister Axel Linke, Oberstudiendirektor Klaus Gruhn, Europaparlamentsabgeordneter Dr. Markus Pieper und Lothar Bruns, Oberst der Schützengilde Ems Einen,gewählt, als sie beim Volkstrauertag an die Rednerpulte traten.

Bei allen schwebte aber die gleiche Aussage mit: „Frieden ist keine Selbstverständlichkeit.“ Warum, erklärten sie im Gespräch mit der „Glocke“.

„Schlägt man die Zeitung auf oder schaltet den Fernseher ein, sieht man, dass das Thema Flucht und Vertreibung aktueller denn je ist“, begründete Bruns. Es sei längst kein deutsches Thema mehr. Der Oberst der Schützengilde Ems Einen richtete seine ernsten und nachdenklichen Worte am Sontag an die Bürger in Einen. Momentan seien 65 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Daher könne man am Volkstrauertag nicht mehr nur an das denken, was den Deutschen vor 70 Jahren widerfahren sei. Man müsse sein Blickfeld erweitern – auf die ganze Welt.

„Das, was für die Generationen nach mir eine bloße Theorie ist, habe ich praktisch erfahren“, sagt Oberstudiendirektor Klaus Gruhn. Mit seinen 83 Jahren ist er ein Zeitzeuge des Zweiten Weltkriegs. Für die jüngeren Generationen sei der Volkstrauertag nur noch ein abstrakter Begriff. Seiner Meinung nach dürfe es zu diesem Anlass auch nicht mehr nur um Trauer gehen, folge diese doch nach einem unmittelbaren Verlust. Vielmehr sehe er den Gedenktag als eine Möglichkeit zur Rückbesinnung und Wertschätzung. Und auch als Appell, seine Unterscheidungsfähigkeit zwischen gut und böse zu schärfen.

Wirft man einen Blick in die Vergangenheit, muss man auch einen in die Zukunft wagen. Dieser Meinung ist Dr. Markus Pieper. Der Europaparlamentsabgeordnete sprach am Sonntag bei der Kranzniederlegung zu den Bürgern in Milte. Im Vorfeld dieser Veranstaltung stellte er sich die Frage: Was steht uns noch bevor? „Wir sind eine Freidensgemeinschaft, an unseren Werten müssen wir festhalten und sie bewahren“, sagt er. Gleichberechtigung, Religionsfreiheit und Demokratie würde an keinen anderen Ort der Welt so gelebt, wie in Europa. Und das sei harte Arbeit. Eine so lange Phase Frieden habe es in Europa noch nie gegeben.

„Vielen ist überhaupt nicht bewusst, wie gut es uns eigentlich geht“, sagt Bürgermeister Axel Linke. Er hielt die Reden zum Volkstrauertag in Warendorf und Hoetmar. „Die Demokratie ist ein hohes Gut, daran müssen wir festhalten“, fügte Linke hinzu.

Veröffentlicht in