Münsterländische Volkszeitung: 20 Jahre Partnerschaft Trakai – Rheine
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„Das gibt der europäischen Idee eine Seele“

„Europa ist eine Schicksals-Gemeinschaft, für die es sich zu kämpfen lohnt”, stellte Eruopaabgeordneter Markus Pieper in seinem Grußwort fest und betonte die Bedeutung der Städtepartnerschaften. Schließlich wurden 20 Jahre Partnerschaft zwischen Trakai und Rheine gefeiert.

„Ein Treffen für Freunde, die sich verbunden fühlen“, mit diesen Worten begrüßte Bürgermeister Peter Lüttmann die vielen Gäste aus Trakai und Rheine zum Festakt des 20. Geburtstags der Städtepartnerschaft Trakai – Rheine am Samstagabend in der Ignatz-Bubis-Aula des Josef-Winkler-Zentrums in Rheine. Der 30. Juli werde in den USA als interner Tag der Freundschaft begangen, „deswegen passt das Datum perfekt auch zu uns“, freute sich Lüttmann. „Als überzeugter Europäer halte die Stadt Rheine Kontakt zu Trakai, Bernburg, Borne und Leiria. „Wir sind Städtepartner, wir sind Europa, wir sind Freunde“, schloss er.

Für musikalischen Pfeffer sorgte das Saxofon-Quartett unter der Leitung von Lothar Eirmbter mit Glenn-Miller- und Gershwin-Interpretationen.

Lob für vorbildliches Engagement

Festredner war der Europaabgeordnete Markus Pieper. Er lobte die Stadt Rheine für ihr vorbildliches Engagement. Mit einem gewissen Stolz berichtete er, dass 1988 die Förderung von Städtepartnerschaften vom Europäischen Parlament angestoßen worden sei. Rheine habe sie mit Bernburg in Sachsen-Anhalt, Borne in den Niederlanden genutzt, 1996 mit der EU-Osterweiterung und im selben Jahr mit der Partnerschaft im südlichen Raum Portugal. „Wer sich besucht, wer miteinander feiert, führt keine Kriege“, ist Pieper überzeugt und fügte hinzu: „Das gibt der europäischen Idee eine Seele“.

Allerdings verkannte Pieper nicht die große Gefahr des Brexit. „Wenn Frankreich dem britischen Beispiel folgt, wäre die Europäische Union ein Scherbenhaufen“, fürchtete er angesichts der rechtslastigen Entwicklung. Als Gründe für den Austritt nannte er die Bürokratie, die Uneinigkeit zwischen den Staaten und die eigenmächtigen Entscheidungen der EU. Selbstkritisch äußerte er: „Wir müssen mehr klären und besser erklären, aber es müssen alle dabei helfen“. Die Europäische Union habe nur einen achtprozentigen Anteil an der Weltbevölkerung, in 20 Jahren seien es nur noch vier Prozent, dann müsste man erst recht zusammenstehen gegen den Terror in der Welt. „Europa ist eine Schicksals-Gemeinschaft, für die es sich zu kämpfen lohnt“, konstatierte er.
Edita Rudeliene, Bürgermeisterin in Trakai, bedankte sich bei den Städtepartnern für ihr unermüdliches Engagement für ihre Stadt. „Unser besonderer Dank gilt den Initiatoren Pastor Günther Hillebrandt und Pfarrer Monsignore Vytautas Rukas, die erste Kontakte knüpften“. Hier gab es Zwischenapplaus. Dieser Kontakt habe in zwei Jahrzehnten zu einer großen finanziellen Unterstützung von Rheine, Bernburg und Borne geführt, die sie in soziale Jugend-, Familien- und Alteneinrichtungen investieren konnten, so Rudeliene. „Wir freuen uns, dass Sie waren, sind und weiter unsere Partner bleiben“, sagte sie.

„Es bleibt die Begegnung von Menschen“

Wolfgang Nehus, Vertreter des Städtepartnerschaftvereins, hob in seinem Grußwort hervor, dass sich bei keiner weiteren Partnerschaft eine vergleichbare Menschenmenge eingebracht habe. Borne und Bernburg hätten sich an den Hilfsmaßnahmen für Trakai beteiligt. „Es bleibt aber vor allem die Begegnung von Menschen, der gelebte europäische Geist“.
„Durch den Erfahrungsaustausch bereichern wir unser Leben“, betonte Asta Kandrataviciene vom Städtepartnerschaftskomitee in Trakai in ihrem Grußwort in deutscher Sprache. Dabei bezog sie sich auf die Geburtstags-Feier in Trakai mit einer Delegation aus Rheine vor drei Wochen, wo die Städtepartnerschaft erneut durch eine Unterzeichnung besiegelt wurde. „Ich wünsche uns weitere Erfolge in den kommenden Jahrzehnten“, ergänzte sie. Dem schlossen sich mehr als 100 Gäste mit kräftigem Applaus an, bevor man sich zu einem Festessen zu Lorenbeck begab.

Autor: Monika Koch

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