NOZ: Lottes neue CDU-Führung attackiert Hockenbrink
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Gewählt, geehrt oder gehört wurden bei der CDU (von links) Christian Thies, Georg Holtgrewe, Werner Schwentker, Ute Saeger, Stephan Lütke Glanemann, Horst Petersson, Markus Pieper und Friedhelm Lange. Foto: Thomas Niemeyer

Drei harte Nachrichten lieferte die Lotter CDU in ihrer Mitgliederversammlung am Donnerstagabend in den Ratsstuben Wersen: Sie hat in Stephan Lütke Glanemann einen neuen Vorsitzenden, sie will definitiv mit einem eigenen Kandidaten in die nächste Bürgermeisterwahl gehen, und sie will sich von Westerkappelns Bürgermeister Ullrich Hockenbrink in Sachen Gesamtschule nicht länger hinters Licht führen lassen.

Nach neun Jahren im Vorsitz trat Ute Saeger nicht wieder an, erklärte sich aber bereit, in einer neu geschaffenen dritten Stellvertreterfunktion ihrer Partei weiterhin zur Verfügung zu stehen. Als Nachfolgekandidaten präsentierte sie den 19 wahlberechtigten Mitgliedern den bisherigen Kassierer Stephan Lütke Glanemann.

Dem Vorschlag folgte die Versammlung einmütig, berief neben Ute Saeger wieder Georg Holtgrewe und Werner Schwentker zu stellvertretenden Ortsvorsitzenden und kürte Christian Thies zum neuen Kassierer. Schriftführer bleibt Friedhelm Lange. Als Beisitzer im Vorstand gewählt wurden Sabin Lockstedt, Ansgar Lütke Glanemann, Hartmut Meyer, Walter Ottens, Horst Petersson, Jens Unnewehr, Steffen Wascher und Eckhard Finke.

Positiv fiel der Rück- und Ausblick der scheidenden Vorsitzenden aus. Neben ihrem Vorgänger Markus Pieper im Europaparlament habe die CDU mit Anja Karliczek und Wilfried Grunendahl nun auch regionale Vertreter im Bundes- und Landtag. Der Partei fehle es zudem nicht an Bewerbern für die Direktkandidaturen in Lotte bei der Kommunalwahl am 25. Mai. Und, so Saeger: „Wir werden künftig einen Bürgermeisterkandidaten haben.“

Mit Werner Schwentker als Fraktionschef und im Jamaika-Bündnis mit FDP und Grünen habe die Lotter CDU Einfluss auf die Ratspolitik gewonnen und die Gemeinde vorangebracht. Saeger: „Und wir machen weiter so.“

Auf das Thema Gesamtschule in Lotte und Westerkappeln konzentrierte sich Schwentker in seinem Bericht. Auf Initiative der CDU, aber auf Beschluss aller Lotter Ratsfraktionen habe die Schulzweckverbandsversammlung die von Westerkappelns Bürgermeister Ullrich Hockenbrink beabsichtigte Vorfestlegung auf Westerkappeln als Standort der gymnasialen Oberstufe verhindert und einem Lenkungskreis übertragen. Den versuche Hockenbrink jetzt aber, mit Hinweis auf die Antragsfrist bei der Bezirksregierung Münster auszuhebeln. Für die Verbandsversammlung am Mittwoch, 6. November, so Schwentker, hätten die Lotter Vertreter aus seiner Sicht kein Mandat für eine solche Festlegung.

Auf dieses Thema ging Markus Pieper, der zuvor als Wahlleiter fungiert hatte, am Ende seines Berichts aus Europa sehr grundsätzlich ein. Als Außenstehender habe er den Eindruck, dass die Gesamtschule „mit der Brechstange“ durchgesetzt werden solle. Er habe sich die Elternbefragung angeschaut und dabei erhebliche Bauchschmerzen bekommen: „Den Eltern sind weder wirkliche Alternativen noch die Konsequenzen der Gesamtschule, nämlich dass damit die hervorragend arbeitenden Schulen in Lotte und Westerkappeln zerstört werden, vor Augen geführt worden.“

Durch gezielt gestreute Gerüchte, dass Mettingen über eine Gesamtschule nachdenke, Lengerich gar eine zweite plane, seien die Entscheidungsträger in Lotte und Westerkappeln bewusst hinters Licht geführt worden, wurde aus der Versammlung kritisiert. Und diese Kritik richtete sich eindeutig gegen Ullrich Hockenbrink. Allerdings wurde seinem Amts- und SPD-Parteibruder Rainer Lammers vorgehalten, nicht die Lotter Interessen, etwa auch die der Privaten Krüger-Schulen, wahrgenommen zu haben.

Versöhnliches zum Ende: Horst Petersson wurde für 25, Johannes Nieberding in Abwesenheit für 50 Jahre in der CDU geehrt.

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