Westfälische Nachrichten: VHS Lüdinghausen und Berufskolleg luden zum Bürger-Dialog
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Zum Bürger-Dialog unter dem Titel „Unser Europa“ hatten die Volkshochschule Lüdinghausen und das Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg geladen. Rund 100 Jugendliche sowie Lokalpolitiker der Stadt diskutierten angeregt in wechselnden Gruppen. Zum Auftakt war der CDU-Europaabgeordnete Dr. Markus Pieper gekommen.

„Die Veranstaltung lief bombig, obwohl es schwierig ist, an einem normalen Wochentag um 16 Uhr Interessenten anzulocken. Wir wollen das Politikinteresse der jungen Leute wecken. Vielleicht sitzt ja einer aus dem heutigen Kreis demnächst in einem Rat. Das Team um die stellvertretende Schulleiterin Sabine Neuser hat hervorragende Arbeit geleistet. Die Aula war sogar mit Länderfahnen geschmückt“ – Vhs-Leiter Dr. Christoph Hantel, Mitorganisator des „Bürger-Dialogs“ im Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, war am Ende „einfach müde“, aber voll des Lobes für die Arbeit der über 100 Teilnehmer, unter ihnen auch einige Ratsmitglieder.

Drei Fragen waren zum Thema „Unser Europa“ zu behandeln: Was verbindet uns in Europa? Wie gehen wir mit der Krise in Europa um? Welche Rolle spielt Europa in der Welt? Eröffnet wurde die über dreistündige Runde am Donnerstagabend durch den CDU-Europaabgeordneten Dr. Markus Pieper, der die Sieger zu einem Besuch nach Brüssel einlud, um dort ihre Vorschläge vorzustellen. Mit dabei war auch Lisa Freigang, Politikreferentin beim Deutschen Volkshochschul-Verband aus Bonn, die an der Gestaltung des Planspiels mitgearbeitet hat.

Problemvorschläge zur Staatsverschuldung einiger europäischer Länder, zum Nationalegoismus von Staaten, zu Umweltproblemen, die nicht an den Staatsgrenzen enden, zur einheitlichen Durchsetzung von Menschenrechten, für mehr Transparenz in der Politik, für eine einheitliche Verfassung für ganz Europa, für mehr Infos über Europa wurden von den Gruppen erstellt. Wichtig dabei sei etwa ein Austausch von Schülern und Auszubildenden, um viele noch vorhandene Vorurteile abzubauen.

Als einen weiteren elementaren Schritt in ein Europa der Zukunft sehen viele Teilnehmer eine Chancengleichheit in Beruf und Bildung sowie die Anerkennung von Berufsabschlüssen in allen Ländern. „Wir würden gern mal für ein Jahr in einem anderen Land arbeiten, haben aber Angst, dass unser Abschluss aus Deutschland dort nicht anerkannt wird“, war aus dem Plenum zu hören. Europa sei doch weit mehr als ein grenzenloses Urlaubsland.

„Müssen Menschen für Deine Mode leiden?“, war das Thema überschrieben, das bei der Abstimmung zum Schluss die meisten Stimmen erhielt. Den Teilnehmern war die Tragödie in Bangladesh noch in bester Erinnerung, wo mehr als 1000 Textilarbeiter ums Leben kamen. Die EU solle Maßnahmen ergreifen, damit Unternehmen, die in außereuropäischen Ländern produzieren lassen, menschenwürdigere Arbeitsplätze schaffen und Importeuren strengere Richtlinien auferlegen.

Sabine Neuser dankte zum Schluss den Kollegen und Teilnehmern für ihr Engagement. „Machen Sie weiter mit. Ich gehe mit einem guten Gefühl nach Hause“, sagte sie. Alle Beiträge dieses Bürger-Dialogs, an dem rund 70 von 1000 Volkshochschulen in Deutschland teilnehmen, werden ab der kommenden Woche unter www.vhs.buergerdialog.de veröffentlicht.
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