NOZ / Westfälische Tagespost: Witziger Neujahrsempfang der Sportfreunde Lotte
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Und der Pastor gibt dem allen seinen Segen

Lotte. Der Vereinsvorsitzende freut sich über die verpasste Herbstmeisterschaft, der Bürgermeister sucht Geld in der Karibik, der Europaabgeordnete will im Winter mit dem Bürgermeister Tandem fahren, der Fußballobmann misst sportliche Energie nur noch in Megawatt, und ein völlig abgefahrener Pastor gibt dem allen seinen Segen – der Unterhaltungswert des gestrigen Neujahrsempfangs der Sportfreude war einzigartig.

Die Akteure (vorne von links) Moderator Alfons Manikowski, Rainer Lammers, Bernhard Hembrock, Markus Pieper, FLVW-Vize Klaus Jahn und Rolf Horstmann erhielten den Segen von Pastor Detlev (Foto: Thomas Niemeyer)

Dabei hatte es mit der Begrüßung durch SFL-Chef Rolf Horstmann ganz harmlos begonnen: Rückblick auf den Beinahe-Aufstieg, Dank an Sponsoren, Ehrenamtliche und Gemeinde, Genesungswünsche an die schwer erkrankte Seele des Breitensports im Verein, Klaudia Söll. Sein Scherz, dass er sich über die verpasste Herbstmeisterschaft freue, weil die Mannschaft als Herbstmeister noch nie aufgestiegen sei, war ein erster Fingerzeig.

Nach dem Dank von Landratstellvertreter Bernhard Hembrock an „das sportliche Aushängeschild des Kreises Steinfurt“ war es an Bürgermeister Rainer Lammers, die Sportfreunde zu loben. „Wie im Leben gibt es auch im Fußball Rückschläge“, spielte er auf den verpassten Aufstieg im Mai an. „Aber solange diese Führungscrew am Ruder steht, wird die Sonne über den Anlagen der Sportfreunde scheinen und auch der Wald bald wieder wachsen.“ Damit hatte er die beiden größten Aufreger des Jahres, den Kahlschlag am Hambrink und den immer noch nicht liefernden Carport-Solarpark, elegant ins Gespräch gebracht. Mit der Mutmaßung, dass das verschwundene Investorengeld wohl in der Karibik sei, lehnte er sich jedoch erstaunlich weit aus dem Fenster.

CDU-Europaabgeordneter Markus Pieper nutzte sein Grußwort dazu, Mut zur Zukunft zu machen. Nicht nur die Sportfreunde, auch die EU stehe zum Jahreswechsel gut da. Die Euro-Rettung unter klaren Bedingungen habe sich bewährt. Aus Griechenland, Italien und Spanien gebe es endlich wieder gute Nachrichten. Die deutschen Rezepte zur Krisenbewältigung seien außer in Frankreich fast überall Vorbild.

Kritik richtete er allein an seinen Halener Nachbarn Rainer Lammers: „Wir haben immer noch keine Fahrgemeinschaft. Angesichts der tollen Radwege können wir nächstes Jahr zusammen mit dem Rad hierher kommen.“

Den Auftritt der sportlichen Führung des Vereins bereitete Klaus Jahn, Vizepräsident des Fußball- und Leichtathletikverbandes im Kreis Steinfurt, grandios vor: „Ohne Vertrauen im Verein und im Umfeld geht es nicht – aber eine gewisse Schlitzohrigkeit gehört auch dazu.“ Da fühlte sich SFL-Macher Manfred Wilke angesprochen.

Doch sein erstes Wort galt wieder einmal dem Breitensport: In Zusammenarbeit aller Lotter Sportvereine werde in diesem Jahr das Projekt „Sport im Ganztag“ gestartet. Damit sollen die Schulen professionelle und verlässliche Sportstrukturen für ihre Ganztagsbetreuung erhalten, für die künftig die Vereine verantwortlich sind.

„Und jetzt zum Hobby: Fußball!“, schaltete Wilke in den Comedy-Modus um. Wie später Regionalliga-Trainer Maik Walpurgis definierte er als Jahresziel den Aufstieg in die Dritte Liga. Das koste Energie. „Unser Flutlicht verbraucht 145 Kilowatt, unsere alte Solaranlage liefert 150 Kilowatt – da haben wir kaum noch Reserven.“ Das eine Megawatt, das man investiert habe, hätte diesmal schon reichen sollen. „Aber der BvB ist aufgestiegen, und wir spielen immer noch mit 150 Kilowatt.“ Für die laufende Saison aber habe man enorme Energiereserven – „und im Falle des Aufstiegs legen wir 300 Kilowatt nach.“

Der Versuch einer Übersetzung: Zwar ist der Carport-Solarpark (knapp 1 MW) noch nicht am Netz; aber nach jüngsten Gesprächen mit den Oldenburger Geschäftspartnern ist Manfred Wilke optimistisch, die Anlage bald ans Netz zu bringen; jedoch nicht ohne zuvor die noch ausstehenden 130000 Euro für erbrachte Eigenleistungen zu erhalten. Und die an diesem Wochenende fortgesetzten Gespräche liefen offenbar so positiv, dass daraus eine weitere Fotovoltaikanlage mit einer Leistung von 300 Kilowatt erwachsen könnte.

Bevor es ans sportliche und wirtschaftliche Fachsimpeln ging, blieb Pastor Detlef Salomo das letzte offizielle Wort überlassen. Und der ließ diesmal sein zweites Ich, Detlev Salomo, den Kabarettisten, von der Kette. Fulminant startete er mit einem Werbespot im Stakkato. Tenor: „Nach dem Spiel am Lotter Kreuz sofort hinüber in die Kirche mit dem Kreuz!“

Es folgte ein gar unreuiges Schuldbekenntnis: „Ich habe gefehlt, ich war abwesend in Worten, Taten und Gedanken.“ Er sei wieder nicht bei einem einzigen Spiel im Stadion gewesen, wolle sich aber bessern. Immerhin habe ihm SFL-Vize Dirk Mutert schon die Spieltermine auf einem Bierdeckel notiert. Das habe allerdings nur seine Zeche beträchtlich verteuert.

Die beidseitige Erkenntnis, dass die Kirche sonntags besser besucht sein könnte, das Stadion aber auch noch viele freie Plätze aufweist, veranlasste Maik Walpurgis zu dem Vorschlag: „Sie kommen zu uns ins Stadion, und wir kommen zu Ihnen in die Kirche.“ Amen!

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