Borkener Zeitung: Fluchtursachen müssen beseitigt werden
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Podiumsdiskussion erhellt das Vorgehen von Politik, Verwaltung und Helfern in der Flüchtlingsfrage

RAESFELD (csp). Der Titel lautete „Integration von Flüchtlingen: Was tut Europa, was tut die Bundesregierung?“ Dazu haben am Freitagabend Dr. Hermann Paßlick (Vorstandsmitglied und leitender Kreisrechtsdirektor im Kreis Borken), Dr. Markus Pieper (Mitglied des Europäischen Parlaments), Johannes Röring MdB (Abgeordneter Wahlkreis Borken II) sowie Ingeborg Erdmann und Sighart Weiss (beide ehrenamtliche Flüchtlingshelfer aus Raesfeld) ihre Statements zum Thema abgegeben. Rund 50 Zuhörer interessierten sich in der Gaststätte Nießing für die Standpunkte des Europaparlaments, der Bundesregierung und der aktiven örtlichen Vertreter.

Dr. Markus Pieper verdeutlichte, dass die Europäer nur acht Prozent der Weltbevölkerung ausmachten aber 23 Prozent des globalen Bruttosozialproduktes erwirtschaften: „Wir leben auf einer Insel der Glückseligen.“ Sollten die Grenzen zu den europäischen Nachbarn wieder geschlossen werden, wäre das verheerend für den Wirtschaftsstandort Münsterland, deshalb „kämpfen wir weiter für offene Grenzen. 80 Prozent sind in der EU für eine Flüchtlingsquote und Kommission, Parlament und Rat streiten sich wie die Kesselflicker.“ Er plädierte dafür, dass EU-Staaten nur dann Geld von der EU bekommen sollten, wenn sie auch bereit seien, einen Teil für Flüchtlinge zu investieren. Fluchtursachen müssten beseitigt werden, das Dublin-Übereinkommen durchgesetzt werden. „Wir kriegen das nur hin, wenn wir uns auf die aller, aller Notwendigen konzentrieren“, so Pieper.

Von einer „Welle, fast einer Völkerwanderung“, sprach Johannes Röring. Seines Wissens hat nur die Hälfte aller Flüchtlinge eine Chance, auf Dauer in Deutschland zu bleiben. Röring zeigte sich besonders stolz auf seinen Wahlkreis, der die riesige Herausforderung bisher hervorragend gemeistert habe.

Als Landwirt versicherte er den Zuhörern, dass sich wegen der Flüchtlingswelle niemand Sorgen machen müsse, dass er weniger zu essen habe. „Die Unterstützung der Kommunen könnte in Nordrhein-Westfalen besser sein. Die Gelder müssten eins zu eins an die Kommunen weitergegeben werden und nicht an den klebrigen Fingern in Düsseldorf hängenbleiben“, sagt er.

„5500 zugewiesene Flüchtlinge (Stand 31. Dezember 2015) werden mit allen Möglichkeiten im Kreis Borken versorgt“, erklärte Dr. Hermann Paßlick. „Darunter seien 1300 schulpflichtige Kinder und 51 zugewiesene unbegleitete Minderjährige.“ Bis auf Bocholt und Ahaus seien die Notunterkünfte inzwischen abgebaut und die Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht. Jedoch hätten 50 Prozent keine Bleibechance, allerdings sei eine Abschiebung schwierig und menschlich brutal. Im Kreis Borken seien sechs neue Stellen bei der Ausländerbehörde geschaffen worden, die schwer zu besetzen gewesen seien, da die Arbeit nicht sehr begehrt sei.

Ingeborg Erdmann lobte die Zusammenarbeit mit der Raesfelder Verwaltung als vorbildlich. Ganz praktisch sehe sie die dringende Suche nach Ausbildungsplätzen für die Flüchtlinge. Sighart Weiss betonte, dass das größte Problem bei den Flüchtlingen die Langeweile sei.

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