Handwerkskammer Rhein-Main: Mehr als 60.000 Kampagnen-Karten „Ja zum Meister“ an EU-Kommissar Günther Oettinger in Brüssel überreicht
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Die Aktion „Ja zum Meister“, an der sich in den vergangenen Monaten neben der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main auch die Handwerkskammmern Chemnitz, der Pfalz, des Saarlandes, Erfurt, für Oberfranken, für Schwaben, Halle, Koblenz, Konstanz, Magdeburg, Rheinhessen, Trier, Ulm, Wiesbaden beteiligt haben, ist mit der symbolischen Übergabe der Kampagnenkarten an EU-Kommissar Günther Oettinger zu Ende gegangen. Das Bündnis sammelte mehr als 60.000 Unterschriftenkarten, um in Brüssel ein Zeichen für den Erhalt zum Meisterbrief zu setzen.

„Wir freuen sehr, dass es mit der bundesweiten Aktion gelungen ist, Menschen aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands für die Themen Erhalt der regulierten Berufe sowie Meisterbrief zu sensibilisieren. Der Exzellenzabschluss unseres Wirtschaftszweiges steht für Qualitätsarbeit und Ausbildung. Er dient dem Verbraucherschutz und befähigt zur Ausbildung junger Menschen – mehr als 95 Prozent unserer Auszubildenden werden in zulassungspflichten Berufen ausgebildet“, sagte Ehinger. Zudem: „Der Meisterbrief garantiert geringe Jugendarbeitslosigkeitsquoten und ist eine Karrierechance, etwa auch für Abiturienten oder Studienzweifler.“

Die vor einigen Tagen vorgestellte Binnenmarktstrategie der Europäischen Kommission ist aus Sicht des Handwerks vor allem im Hinblick auf die regulierten Berufe weiter kritisch zu verfolgen. „Es ist ganz offensichtlich: Die Handwerksnovelle aus dem 2004 wird als Best-Practice für eine erfolgreiche Liberalisierung angeführt. Das ist ein Hinweis darauf, dass wir dringend am Thema dran bleiben müssen, um unsere Argumente noch deutlicher zu machen. Die Nachwirkungen der Deregulierung der Handwerksberufe sind keineswegs positiv.“ Ziel der Deregulierung der 52 Handwerksberufe im Jahr 2004 sei gewesen, Betriebsneugründungen zu vereinfachen und damit für Wachstum zu sorgen. Zwar sei die Zahl der Betriebsneugründungen gestiegen, Umsatz und die Gesamtzahl der Beschäftigten seien aber gleich geblieben. Darüberhinaus sei die Deregulierung auch ein Angriff auf die Sozialsysteme, weil reguläre Arbeitsverhältnisse durch Ich-AGs und Solo-Selbständige verdrängt worden seien.

Der Meisterbrief sei zudem keinesfalls eine europäische Binnenmarktschranke. „EU-Staatsbürger, die grenzüberschreitende Dienstleistungen vorübergehend in Deutschland erbringen wollen, müssen lediglich anzeigen. Wer sich dauerhaft niederlassen will, muss er nur die Gleichwertigkeit seiner Qualifikation belegen. Die Duale Ausbildung und der Meisterbrief sind für unsere Wirtschaft in Europa unverzichtbar.“
Abendveranstaltung im Zeichen der Digitalisierung

Die Übergabe der Kampagnenkarten fand im Rahmen einer gemeinsamen Abendveranstaltung der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, der Hessischen Landesvertretung und des Fachverband Elektro- und Informationstechnik Hessen/Rheinland-Pfalz (FEHR) unter dem Titel „Praktiker digital – das Handwerk in einem digitalisierten Europa“ statt. Hauptredner des Abends war Guenther Oettinger, Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft bei der Europäischen Kommission. Auf dem Podium diskutierten neben Handwerkskammerpräsident Bernd Ehinger und Christoph Hansen, FEHR-Präsident auch André Richier, Generaldirektion Binnenmarkt, Unternehmertum und KMU, Dr. Markus Pieper MdEP sowie Prof. Dr.-Ing. Joachim Metternich, Institut für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen an der TU Darmstadt. Der Abend wurde moderiert von Peter Riesbeck, EU-Korrespondent der Frankfurter Rundschau.

„Der Bereich Digitalisierung wird das Handwerk als Wirtschaftszweig, aber auch unsere kleinen und mittleren Betriebe in den kommenden Jahren sehr stark bewegen. Themen wie digitale Infrastruktur und Datenschutz bewegen uns dabei europaweit genauso wie die Fragestellung, inwiefern wir unsere handwerkliche Ausbildung langfristig innovativ verbessern können“, so Kammerpräsident Ehinger. „Für uns ist dies strategische Aufgabe und daher Ausgangspunkt für erste Projekte: Die Förderinitiative „Mittelstand 4.0 – Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse“ (MiT 4.0) des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) ist vor kurzem gestartet. Unter Leitung der TU Darmstadt haben sich die Fraunhofer-Institute, die Industrie- und Handelskammer Darmstadt und die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main zu einem Konsortium in der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main zusammengeschlossen. Ziel ist kleine und mittelständische Unternehmen dabei zu unterstützen, die Chancen von Digitalisierung und Vernetzung zu erkennen und die damit verbundenen Konzepte im Unternehmen individuell umzusetzen.“

Ergebnisse der Projekte sollen ausgewertet und in die Ausbildung der handwerklichen Bildungseinrichtungen der Region einfließen. „Erfolg der Digitalisierung im Handwerk hängt dabei maßgeblich von gut ausgebildeten Fachkräften und Meistern ab. Nur wer über grundlegende „digitale Kompetenzen“ verfügt, kann dieses Wissen tagtäglich im Unternehmen und beim Kunden anwenden“, so Ehinger. „Das ist ein weiteres Argument für den Erhalt der regulierten Berufe.“

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