Westfälische Nachrichten: „Manchmal muss man Druck auf den Kessel machen!“ – St. Michael-Schüler im Gespräch mit Dr. Markus Pieper
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Einer Einladung des Sozialwissenschaften-Leistungskurses von Frau Sabine Mendel folgend, besuchte Dr. Markus Pieper, EU-Parlamentsabgeordneter für das Münsterland (CDU), am heutigen Montag das St. Michael-Gymnasium. Passend zur obligatorischen Unterrichtsreihe „“Quo vadis Europa? – Strukturen und Prozesse des europäischen Einigungsprozesses“ referierte er über seine Arbeit in Brüssel und seine Zukunftsvision für ein friedliches und weltweit bedeutendes Europa. Kurz vor ihrer Entlassung in den „Ernst des Lebens“ wurden den im Mai ihr Abitur ablegenden Schülerinnen und Schülern der Sozialwissenschaften-Kurse so eine Brücke zwischen Theorie und Praxis gebaut und die Möglichkeit geboten, Einblicke in Strukturen und Rahmenbedingungen politischer Einflussnahme auf der EU-Ebene zu nehmen.

Dr. Pieper stellte zunächst Errungenschaften der EU heraus: Nie habe solange Frieden in Europa geherrscht. Der soziale Status der europäischen Völker sei unvergleichbar hoch, die außenwirtschaftlichen Kontakte gut vernetzt und auch für das Münsterland von strategischer Bedeutung. Europa trage seine Werte wie Frieden, Freiheit und Sicherheit selbstbewusst in die Welt. Als Beispiel nannte er Europas aktuelle Abschreckungspolitik gegen Russlands imperialistisches Streben in der Ukraine, das auch andere Balkanstaaten in Angst versetze.

Problematisch sieht Dr. Pieper die mangelnde Haushaltsdisziplin einiger EU-Länder. Auch hier müsse „mehr Druck auf den Kessel“ gemacht werden, da ohne zeitnahe und konsequente Sanktionen die  Glaubwürdigkeit des „Ozeanriesen Euro“ gefährdet  sei. Eine Rückkehr zu nationalen Währungen („Segelschiffchen“) lehnt er aufgrund ihrer instabilisierenden Wirkung rigoros ab. Ein weiteres Problem sieht Pieper darin, dass Europa viel zu schnell gewachsen sei und sich v.a. durch die Aufnahme von Bulgarien und Rumänien überfordert habe. Auch Europas Verhalten im Syrien-Konflikt betrachtete Dr. Pieper kritisch: Zwar leiste die EU logistische und humanitäre Hilfe, lege den Schwerpunkt aber eher innenpolitisch, nämlich darauf, die Rückkehrer wieder in die Gemeinschaft integrieren zu können. Europa traue sich angesichts der Krise in Syrien nicht, „militärisch Flagge zu zeigen“. Waffenlieferungen in Krisenregionen bewertet Dr. Pieper solange als positiv, wie sie eine „Erste Hilfe“ für in Not geratene Bevölkerungsgruppen gegen Aggressoren darstellen – man müsse die Gefahr, dass die Waffen anschließend in falsche Hände geraten könnten, aber immer im Hinterkopf behalten.

Dr. Pieper (CDU) ist seit 2004 im Europa-Parlament – als einziger Abgeordneter des Münsterlandes. Er ist stellvertretender Vorsitzender im Ausschuss für regionale Entwicklung, stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie und im Ausschuss für Haushaltskontrolle. Durch seine Arbeit konnte er dazu beitragen, Erfolge für das Münsterland und NRW zu erzielen und Initiativen auf den Weg zu bringen. Daher erhoffen sich die angehenden “Weltbürger”, politische Verbindungslinien zwischen ihrer Heimatregion und Europa sowie zwischen Europa und dem Rest der Welt aufgezeigt zu bekommen. Schließlich ist Dr. Pieper zur Zeit auch Mitglied in der Delegation der Ausschüsse für parlamentarische Kooperation EU-Kasachstan, EU-Kirgistan und EU-Usbekistan sowie für die Beziehungen zu Tadschikistan, Turkmenistan und der Mongolei.

Aus seinem eigenen Lebenslauf leitete er als Ratschlag für die Abiturientinnen und Abiturienten ab, sich ein internationales Berufsprofil zuzulegen, indem sie Teile ihrer Ausbildung im Ausland absolvieren oder einige Semester in anderen Ländern studieren. Eine politische Kariere sein „nicht planbar“, man solle aber „weltoffen und flexibel“ bleiben.

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