Westfälische Tagespost / NOZ: Aufstieg eines Quereinsteigers – Markus Pieper hat sich gut vernetzt
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Von Thomas Niemeyer

Lotte. Er ist ein parteipolitischer Quereinsteiger: Markus Pieper aus Lotte hat gute Chancen, zum dritten Mal als Abgeordneter für das Münsterland ins Europaparlament einzuziehen, wo er bei der EVP längst nicht mehr zu den Hinterbänklern zählt.

Als gebürtiger Hamelner verbindet der 51-Jährige von Natur aus Niedersachsen und Westfalen in sich. Denn nach Lotte verschlug es Pieper ähnlich zufällig wie in die Politik. 1994 wechselte er aus der Privatwirtschaft zur Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland, wurde 1996 Geschäftsführer. Mit Familie zog er damals ins nahe Dorf Halen, just jenseits der Landesgrenze.

Dort gibt es nur einen Kindergarten, getragen von der Arbeiterwohlfahrt. Die aber duldete keine Adventslieder in ihren Mauern, was den Christen Pieper empörte. Er suchte Verbündete, landete bei der Lotter CDU, die er – später als ihr Vorsitzender – mit einem jungen Team prägte. Er geriet in das Blickfeld des einflussreichen Bundespolitikers Karl-Josef Laumann, der damals noch der CDU im Kreis Steinfurt vorsaß und den promovierten Wirtschaftsgeographen für eine Kandidatur zum Europaparlament 2004 gewann.

In der Münsterland-CDU gab es sechs Gegenkandidaten. „Der parteiinterne Wahlkampf zählte zu meinen größten Herausforderungen, weil ich ohne CDU-Stallgeruch und regionale Seilschaften antrat“, erinnert sich der anerkannte Struktur- und Regionalpolitiker. Das Defizit an Junge-Union-Vorgeschichte und westfälischer Prägung kompensierte Pieper durch Sachkenntnis. Was sich seine Konkurrenten über Wirtschaft und Fördertöpfe erst anlesen mussten, hatte er auch durch seine IHK-Tätigkeit längst drauf.

Inzwischen ist Pieper unter anderem stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für regionale Entwicklung und mittelstandspolitischer Sprecher der CDU/CSU. Gut vernetzt mit Berlin, Düsseldorf und Hannover, hält Markus Pieper in Brüssel und Straßburg zudem die Fahne der Subsidiarität hoch: gegen die Einmischung der EU in nationale und regionale Belange der Mitgliedsländer. Und er wendet sich gegen eine Schwächung der EU durch ihre Aufblähung, beispielsweise infolge des Beitritts der Türkei.

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