Nürnberger Nachrichten: Mini-Lkw sollen weniger stinken
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Europaparlament legt niedrigere Abgaswerte fest – Tests sollen realistischer werden

STRASSBURG – Nach den Personenwagen geht es nun auch den Mini-Lkw an den Auspuff. Das Europäische Parlament hat neue Grenzwerte für Sprinter & Co. mit einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen beschlossen.

Statt wie bisher 203 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer dürfen die Fahrzeuge des Jahrgangs 2020 nur noch 147 Gramm ausstoßen. Der Kompromiss, den die Abgeordneten bereits mit den Mitgliedstaaten ausgehandelt haben, ist mehr wert als die Zahlen zeigen. »Wir brauchen ein neues Testverfahren, damit die Emissionswerte besser den tatsächlichen Verbrauch auf der Straße widerspiegeln und keine rein im Labor gewonnenen Ergebnisse«, sagte der SPD-Europa-Politiker Matthias Groote.

Bisher werden der durchschnittliche Spritverbrauch und damit auch die Abgas-Emissionen nach einer Testmethode (NEFZ) ermittelt, die viele Fachleute als »völlig veraltet« ansehen. Der Verbraucher bekam das zu spüren: Nicht einmal fabrikneue Fahrzeuge hielten auch nur annähernd ein, was die Prospekte der Hersteller versprachen. In der Regel schluckten Pkw und Mini-Lkw deutlich mehr Kraftstoff. Der neue WLTP-Standard orientiert sich an einer Vorgabe der UN und gilt inzwischen international als anerkannt.

Für normale Fahrzeuge soll er bis 2017 in Europa eingeführt werden. Nun müssen sich auch Mini-Laster wie der Sprinter dem neuen Verfahren stellen. »Da werden manchem Käufer die Augen aufgehen«, hieß es in Straßburg. Denn die weitaus realistischere Verbrauchsberechnung liegt um bis zu 25 Prozent über den bisherigen Hersteller-Angaben.

Bremser gestoppt

Dafür scheiterte ein anderer Plan. Die Kommission wollte die Mini-Lkw, die mit ihren starken Motoren trotz größerer Masse schnell unterwegs sein können, an die Leine legen und hatte ein Tempolimit vorgeschlagen. Zwischenzeitlich war sogar ein Geschwindigkeitsregler im Gespräch.

Dazu wird es nicht kommen. Holger Krahmer, der liberale Berichterstatter der europäischen Volksvertretung, erklärte: »Geschwindigkeitsbegrenzer sind eine Bevormundung der Fahrer von Nutzfahrzeugen, für den Klimaschutz aber völlig unbrauchbar.« Es sei deshalb nur korrekt gewesen, »diese zu verhindern«.

Unklar bleibt, wie es langfristig weitergehen soll. Nach heftigem Streit lehnten die Abgeordneten es ab, den Herstellern bereits weitergehende Vorgaben für die Zeit nach 2020 zu machen. Im Gespräch waren Werte von 105 bis 120 Gramm pro Kilometer. »Diese voreilige Forderung hätte die europäische Nutzfahrzeugindustrie global isoliert«, betonte der Experte der konservativen EVP-Mehrheitsfraktion, Markus Pieper (CDU). Stattdessen soll die Kommission langfristig eine Verschärfung der Mini-Lkw-Grenzwerte ausarbeiten.

Quelle: Nürnberger Nachrichten, Detlef Drewes

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