AFP: EU stellt Zugang zu reglementierten Berufen auf den Prüfstand
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Brüssel will unnötige Hürden bei Berufswahl senken

Der Zugang zu reglementierten Berufen in der Europäischen Union soll auf den Prüfstand gestellt werden. “Die Bedingungen für den Zugang zu bestimmten Berufen können kompliziert, beschwerlich und oft von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat sehr unterschiedlich sein”, begründete EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier am Mittwoch in Brüssel den Vorstoß. In Deutschland gibt es aber nun Sorge um die Zukunft des Meisterbriefs.

Zugangsbeschränkungen zu bestimmten Professionen hinderten Arbeitnehmer beispielsweise daran, in anderen EU-Ländern auf Jobsuche zu gehen, sagte Barnier. Der EU-Kommissar fordert die Mitgliedstaaten daher auf, Beschränkungen für den Zugang zu reglementierten Berufen zu überprüfen – und möglicherweise abzuschaffen.

Für die Ausübung mancher Berufe sind bestimmte Titel, Abschlüsse oder Qualifikationen notwendig oder die Berufsbezeichnung ist geschützt. Dazu gehören in Deutschland etwa Architekten, Ärzte, Elektrotechniker, Rechtsberufe, Lehrer an staatlichen Schulen oder manche Handwerksbereiche. Innerhalb der EU gibt es nach Angaben der EU-Kommission 740 Kategorien von regulierten Berufen.

Es gebe gute Gründe, etwa den Verbraucherschutz, den Zugang zu manchen Berufen zu beschränken, erklärte die EU-Kommission. Zu viele Auflagen könnten aber dazu führen, dass junge Menschen vom Einstieg ins Berufsleben abgehalten werden. Geringere Hürden würden hingegen die Mobilität von Arbeitnehmern erhöhen sowie Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsfähigkeit fördern. Die Mitgliedstaaten sollen nun prüfen, welche Berufe nationalen Zugangsbeschränkungen unterliegen, und ob diese wirklich notwendig sind.

In einem ersten Schritt fordert Barnier die EU-Länder auf, die reglementierten Berufe zu melden. So will die EU-Kommission bis zum Frühjahr des kommenden Jahres eine Europakarte erstellen, auf denen Arbeitnehmer Zugangsbeschränkungen zu einzelnen Berufen Land für Land ablesen können. Innerhalb der kommenden zwei Jahre sollen die Mitgliedstaaten dann die Zugangsbeschränkungen nach und nach auf ihre Notwendigkeit überprüfen.

In Deutschland ruft das Vorhaben Besorgnis hervor. Die Europaabgeordneten Markus Pieper (CDU) und Markus Ferber (CSU) fürchten um die Qualität der deutschen Ausbildungsberufe und die Zukunft des Meisterbriefes. “Das duale System in Deutschland ist ein Exportschlager und hat uns in Deutschland vor hoher Jugendarbeitslosigkeit bewahrt”, erklärten die konservativen EU-Abgeordneten. “Durch die Abschaffung des Meisterbriefs in einigen Berufen wäre unser Erfolgsmodell stark gefährdet.” Demnach gibt es beispielsweise in Polen rund 300 reglementierte Berufe gegenüber etwa 100 in Deutschland, darunter 41 im Handwerk.

Quelle: (AFP) – jdö/oel

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