Westfalen Anzeiger: EU-Abgeordnete zu Gast auf dem Ascheberger Bahnhof
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Hoffnung auf EU-Mittel fürs zweite Bahngleis

Ascheberg – Mit Tempo 250 über die Schienenstrecke Ruhrgebiet-Hamburg, das ist eine Vision, die sich im Achsenkonzept der EU-Verkehrsplaner steigender Beachtung erfreut. Ein Teil davon ist die Strecke Lünen-Münster. Sie bräuchte für die Hochgeschwindigkeitszüge genau das, was in der Region seit jeher gefordert wird: Ein zweites Gleis.

Catherine Trautmann, EU-Verkehrskoordinatorin für die Achse Nordsee–Baltikum, machte am Montagnachmittag bei einem Abstecher auf dem Bahnhof Ascheberg Mut: „Sie liegen hier in der Mitte Deutschlands und Europas“, betonte sie die grenzübergreifende Funktion der Verkehrsachse. Damit bis 2030 die schnellen Züge hier auf die Schiene gesetzt werden können, sollen EU-Zuschüsse fließen, kündigte Trautmann zusammen mit Markus Pieper an, der das Münsterland für die CDU in Straßburg und Brüssel vertritt.

Verbindlicher Fahrplan

Das hörten Bürgermeister Dr. Bert Risthaus, Landrat Christian Schulze-Pellengahr und der Ascheberger CDU-Vorsitzende Dietmar Panske, die zur Begrüßung auf den Bahnsteig gekommen waren, gern. Einen verbindlichen Fahrplan, wann es in Hochgeschwindigkeit über ein zweites Gleis in Ascheberg gehen könnte, hatte die EU-Verkehrsexpertin noch nicht dabei, zumal sie in dem Ost-West-Korridor viele andere Projekte wie etwa auch die Wasserwege betreue, fügte sie erläuternd hinzu.

Konkret wurde Markus Pieper dagegen in Sachen Vollausbau der Schienenstrecke Ruhrgebiet–Hamburg. Den gebe es erst mal nicht, sondern nur einen Teilausbau, verwies er auf den begrenzten finanziellen Rahmen. Welche Teilabschnitte das sein könnten, stehe auch noch nicht fest, erklärte der EU-Parlamentarier. Dennoch stärkt der europäische Fokus auf funktionierende Ost-West- und Nord-Süd-Achsen die Forderung nach dem zweiten Gleis. Diese gebe es schließlich schon seit dem Ersten Weltkrieg, meinte Aschebergs Bürgermeister.

Höhere Priorität im Bundesverkehrswegeplan

Deren Aktualität und Bedeutung unterstrich Landrat Schulze-Pellengahr für den Kreis Coesfeld und dessen Nachbarkreise. Das Projekt müsse mit Nachdruck vorangebracht werden, die Bewohner der Region würden profitieren. Bevor ein zweites Gleis Lünen-Münster überhaupt Realität werden könnte, sind Land und Bund am Zug. Sie müssen bis 2020 einen fundierten Antrag stellen, zeigte Markus Pieper den Weg auf. Um in den Genuss der EU-Zuschüsse zu den Investitionskosten zu kommen – 30 Prozent sind möglich – muss eine Höherstufung des Projekts im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) her. Dort ist es bislang nämlich nur in der zweithöchsten Kategorie „potenzieller Bedarf“ eingestuft. Soll es auf die Überholspur, muss die Kategorie 1 „vordringlicher Bedarf“ erreicht werden.

Die Aussicht auf Zuschüsse aus Brüssel würden die Kosten-Nutzen-Rechnung positiv beeinflussen, hieß es weiter. Zweimal pro Stunde ins Ruhrgebiet „Das ist eine Region von Transit und Logistik“, strich EU-Verkehrskoordinatorin Catherine Trautmann die grenzübergreifende Funktion der Strecke hervor. Viele junge Leute aus Europa wollen nach Deutschland kommen, dafür brauche es Mobilität, zeigte sie sich überzeugt.

Von regionaler Bedeutung

Dietmar Panske hob die regionale Sicht hervor. Zweimal pro Stunde eine Anbindung ins Ruhrgebiet oder nach Münster würden den ländlichen Raum enorm stärken, meinte er. Nach dem Pressetermin wollte Catherine Trautmann mit dem Zug weiterreisen: 18.05 ab Ascheberg, laut Fahrplan. Daraus wurde allerdings nichts, denn die Strecke musste wegen eines Unfalls in Derne gesperrt werden.

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