Westfälische Nachrichten: EU-Kommissar Johannes Hahn informierte sich vor Ort über Arbeit der Euregio
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Mehr Interreg-Gelder für Euregio

-pd/kw- Gronau – Prominenter Besuch am frühen Morgen: Johannes Hahn, EU-Kommissar für Regionalpolitik, informierte sich am Mittwoch in der Euregio-Geschäftsstelle über die Entwicklungen der deutsch-niederländischen Zusammenarbeit. Im Gespräch mit Geschäftsführung und Vertretern der Euregio-Gremien stand die Verwendung von europäischen Fördermitteln für den Abbau von Grenzproblemen im Mittelpunkt.

Dr. Elisabeth Schwenzow, Geschäftsführerin der Euregio, machte zu Beginn sehr anschaulich die besonderen Aufgabenstellungen der Grenzregion und die sich daraus ergebende Arbeit der Euregio deutlich. „Die Sprachkompetenz darf in der Grenzregion nicht verloren gehen“, stellten Schwenzow und Landrat Dr. Kai Zwicker, stellvertretender Euregio-Vorsitzender, die Bedeutung von Sprache heraus. Auf der Tagesordnung standen aber auch die Beratung von Grenzpendlern und die Entwicklungen hin zu einem grenzüberschreitenden Gesundheitswesen. Aus aktuellem Anlass (Diskussion um Kinderstation in Gronau) schilderte Zwicker, wie sehr eine grenzüberschreitende Nutzung der Gesundheitssysteme die Versorgung erleichtern könnte.

Tatsächlich aber bleibe der Schritt über die Grenze für Arbeitnehmer wie auch für Patienten aufgrund der unterschiedlichen Systeme auf deutscher und niederländischer Seite schwierig. So gebe es im Rettungswesen unterschiedliche Ausbildungen für die Rettungsassistenten. Die Abrechnung von Krankenhausleistungen über die Grenze hinweg sei immer noch ein Problem, erklärte Schwenzow. Hahn betonte, dass das Gesundheitswesen ein Kernstück der zukünftigen europäischen Strukturmaßnahmen werden soll. Besonderen Bedarf sieht er in der Entwicklung zu einer ambulanten Patientenversorgung.

Dr. Markus Pieper, Europaparlamentarier für das Münsterland, wies darauf hin, dass in der neuen Phase des EU-Förderprogramms Interreg Deutschland-Nederland (2014-2020) deutlich mehr Gelder in die Grenzregion fließen. In absoluten Zahlen sind das 440 Millionen Euro, die von der EU sowie den beteiligten Interreg-Partnern (NRW, Niedersachsen, Niederlande und acht niederländische Provinzen) sowie den Projektpartnern stammen. Das seien, so Pieper, 60 Prozent mehr als im vergangenen EU-Förderzeitraum (2007-2013) für deutsch-niederländische Kooperationsprojekte zur Verfügung stand.

Diskutiert wurden mit EU-Kommissar Hahn auch die Fördermöglichkeiten im Rahmen des „Connecting Europe Facility“ – des Programms für den Ausbau des europäischen Infrastrukturnetzes. Das Euregio-Gebiet liegt inmitten eines von der EU identifizierten Verkehrskorridors, der sich von Amsterdam über Berlin bis nach Warschau und weiter zu den baltischen Staaten erstreckt. Die EU stattet die definierten Korridore mit zusätzlichen Mitteln (13 Milliarden Euro) aus, um Verkehrsengpässe zu beseitigen und eine länderübergreifende und somit lückenlose Infrastruktur in Europa zu erreichen. Alle EU-Mitgliedsstaaten könnten sich mit ihren planungsreifen Verkehrsprojekten um die zur Verfügung stehenden Fördergelder bewerben, so Hahn. Schwenzow: „Die Euregio ist bereits in der Abstimmung mit ihren Partnern, um gemeinsame Verkehrsvorhaben für die Einreichung in Brüssel vorzubereiten.“

Dr. Zwicker ließ keinen Zweifel daran, dass generell alle Mittel, die in die Grenzregionen fließen, gut angelegt seien: „Kein Euro geht verloren“, machte er deutlich.

Hahn regte bei dem Treffen an, dass sich die Grenzregionen gemeinsam noch stärker in Brüssel artikulieren und positionieren sollten. Denn gerade in den Grenzregionen würden nicht nur Projekt umgesetzt, sondern auch das Bewusstsein dafür entwickelt, was die Menschen mit Blick auf Europa wirklich brauchen.

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